Das verschwundene Dörfchen Gloine

 

Verlag Richard Knöfel 1910

Nichts erinnert mehr an das Dörfchen Gloine, außer dem gleichnamigen kleinen Bächlein, welches dort entsprang.

Den meisten wird der Name Gloine in Verbindung mit einem alten Dörfchen unbekannt sein. Viele werden sich fragen, was hat dieses Gloine mit Dörnitz zu tun? Um in die Geschichte einzutauchen, ist es manchmal wichtig etwas auszuholen, um zu verstehen.

An den Ufern der Gloine hatten sich lange Zeit vorher, die ersten Siedler eingefunden. Sie waren slawischen Ursprungs und ernährten sich von Fisch und Krebsfang, wie auch von der Jagd. Der Ackerbau war ihnen bereits auch bekannt.

Das alte Adelsgeschlecht derer von Schierstedt hatte dem Kurfürsten von Brandenburg seit Generationen sehr gute Kriegsdienste geleistet. Sie wurde dafür mit den fast unbewohnten und brachliegenden Ländereien und Wälder belehnt. Die Schierstedts brachten Kolonisten mit und es begann eine Jahrzehnt lange Aufbauarbeit. Nach und nach entstanden neben den ersten Holzhäusern, Stallungen und Scheunen. Später erhielten die Siedler ein kleines Stück Land zugeteilt, welches sie bearbeiteten. Daraus entstanden die Büdner.

Neben Pferden zogen als erstes Vieh, Schafe in die Siedlungen ein, die Dung für die Felder brachten. Auf dem kargen Heideboden und im Wald fanden sie genug Nahrung. Kartoffeln und Rüben waren zu dieser Zeit noch nicht bekannt und so war das Futter in den Wintermonaten recht knapp. Die Siedler fingen an, das sumpfige Gelände entlang der Gloine zu entwässern und konnten so mehr Heu gewinnen. Jahr für Jahr wurde mehr Land urbargemacht und so gab es mehr Korn, mehr Brot, mehr Viehfutter und mehr des kostbaren Dungs.

1187 wurde Gloine damals noch, Dulgeziz, als Bischof Balderam von Brandenburg, den Besitz des Klosters Leitzkau bestätigte, erstmals genannt. Als altes Bauerndorf an der Straße von Lübars nach Hohenlobbese gelegen wird in alten Akten erwähnt. Am 20. Februar 1189 bestätigt Papst Clemens III das slawische Dorf als Besitz des Klosters Leitzkau. 200 Jahre schien der Ort wüst gewesen zu sein. Am 10.Juli 1408 gab es dicht bei Gloine ein wüstes Gemetzel. Johann von Quitzow auf Plaue an der Havel, war einer der gefürchteten Raubritter seiner Zeit. Er war gut Freund mit Kuno von Wulffen auf Grabow bei Burg. Kuno hieß die Raubzüge seines Freundes nicht für gut und bezeichnete ihn als Räuber. Darauf entbrannte ein Streit großen Ausmaßes. Die beiden verfeindeten Freunde  rüsteten sich zum Kampf und trafen im bewaldeten Gloinetal nahe der Mühle Graubau (dann Feldmark Grabau- heutige Altengrabow) auf einander. In einem heftigen Gemetzel durchbohrte Johann von Quitzow den Hals von Kuno von Wulffen, der daraufhin tot vom Pferd stürzte. Die Lanze von Kuno traf vorher aber noch das linke Auge von Johann. Die Wulff`schen sahen ihren Herren tot vom Pferde fallen und suchten grauenvoll das Weite. Johann zog verwundet nach Plaue zurück.

Die Kirche von Gloine entstand 1450. Sie war eine sogenannte Wehrkirche, in die sich die Menschen bei Überfällen flüchten konnten. Ihre meterdicken Mauern boten einen hervorragenden Schutz aus dem sich die Bewohner auch verteidigen konnten.1459 gehört Gloine zum Bistum Brandenburg.

Gloine wird 1562 im Besitzer des Amtes Loburg registriert.  Es war ein schönes geordnetes Dorf mit einer Kirche, eigenem Pfarrer, Küster, Krüger und einer aus Ackersleuten, Kossaten und zwei Müller bestehenden Gemeinde mit 16 Gehöften.

Als in der Schlacht zu Dessau der katholische Wallenstein den Führer der Protestanten Ernst von Mansfeld besiegte, kam großes Unglück über Gloine. Die Söldner des Wallensteins waren Mordbrenner, plünderten des Dorf völlig aus, brandschatzen und mordeten. Wer nicht ermordet wurde, floh in die umliegenden Wälder oder starb an der Pest, die die Feinde eingeschleppt hatten. Die Gloiner Flurnamen Kroatenwinkel und Pandurengrund, haben sich erhalten und zeugen von dem furchtbaren Schicksal unserer Heimat in jener Zeit. Gloine wird 1641 im Amtsbuch zu Loburg in guten Jahren als bestens und nutzbarstes Dorf bezeichnet. 1641 war dann in Gloine kein Mensch mehr. Das Dorf  lag seit 1635 in Schutt und Asche und die Gegend war öde und leer. Dem Anhaltischen Kanzler Milegius, der es auf einer Reise von Zerbst nach Berlin passieren musste, graut vor dem Rückweg durch dieses Dorf. 

Trotz Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648, wurde weiter geplündert und das Räuberwesen hielt sich weiter. 

 

1690 wurde Gloine nach altem Plane wieder aufgebaut. Die Kossattenhöfe auf dem Straßenschenkel nach Briesenthal zu, die Bauernhöfe auf dem Straßenwege nach Dörnitz –Altengrabow.

Das Dorf erholt sich immer mehr und im Jahre 1780 wurden die ersten Kartoffeln angebaut. Gloine wird 1785 eine der wichtigsten Verkehrsstraße Zerbst-Ziesar. Gloine besitzt zwei Wassermahl und Schneidemühlen. Die Nuth oder Vordermühle ist Gemeindemühle von Gloine Die Kling oder Göritzmühle ist das alte Mühlengut Grabau(Graubau).

Gloine hatte nochmals ein schweres Lot zu tragen. Die Bernadottes Heeresgruppe stand 24.Oktober 1806 mit 24000 in und um Gloine. Die siegestrunkenden Franzosen hausten furchtbar. Ein starkes französisches  Kavallerie-Kommando hatte 1807- 1808 Standquartier und nahmen den Bewohnern das letzte Stück Brot.1813 fiel die Hälfte des gesamtes Rindviehbestandes der Rinderpest zum Opfer, was eine schlimme Not zur Folge hatte. Russische Truppen solle diese eingeschleppt haben.  1839 fegte eine Feuerbrunst über Gloine und legte das halbe Dorf in Asche. Pfarre und Schulgebäude brannten ebenfalls nieder. In Zeiten des Friedens erholt sich Gloine, dank der fleißigen Bewohner, immer wieder. 

1892 kam das erste Gerücht auf, ein Schießplatz solle in der Gegend von Gloine errichtet werden. Man lachte darüber und gab diesen keine Bedeutung. Das Gerücht sollte nicht verstummen. Im Frühjahr 1893 erschien eine Militärkommission aus Berlin, die sich im Gelände umsah. Der Ankauf von Gloine und Briesenthal stand am 23. März 1894 bereits fest. Den Bewohner wurde angeboten zu verkaufen oder nicht. Viele Bewohner waren einverstanden, hatten doch die meisten auf dem sandigen Boden sich verschuldet. Sie könnten ihre Schulden begleichen und sich woanders einkaufen. Die größte Wirtschaft hatte einen Wert von 90000 Mark. Briesenthal bekam die Anweisung die Felder im Frühjahr 1895 nicht wieder zu bestellen. Die Gloine Pfarrei wurde nach Drewitz verlegt, wo 1895 die neue Kirche gebaut wurde. Der letzte Pastor von Gloine war Pastor Bethge. Die letzten Gloiner, die treu an ihrer Heimat hingen, nannten ihn den Seelenverköper(Seelenverkäufer), weil er als erstes bereitwillig Gloine verließ. In den Kirchenbüchern wurde auch von ihm kein einziger Eintrag über dieses besondere Ereignis, der Auflösung eines ganzen Dorfes, berichtet. 1893 gingen 87 Kinder in die Dorfschule. 1896 waren immer noch 6 Familien im Dorf. Am 10. Juni sollten sie endgültig das Dorf räumen. Mit allen Fasern seines Lebens hing der Lehrer an seinem Gloine und musste fast gewaltsam des Dorfes verwiesen werden. Er kam in den nächsten Jahren immer wieder zurück. Das Sterben des Dorfes brach ihm das Herz und in geistiger Umnachtung, gab sein Geist auf.

 

Die Gebäude und Stallungen wurden bis zur Fertigstellung der Baracken, als Quartiere der Soldaten und ihren Pferden benutzt. Die Windmühle, die Gloine hatte stand 1910 noch immer. Der Dörnitzer Fotograf Max Schütze, konnte durch eine Aufnahme, die Kirche von Gloine für die Nachwelt erhalten.

Gloiner Kirche mit Gedenkstein von 1813

Die 350 ausgesiedelten Bewohner wurden nach zeitgenössischen Quellen, die Heimatlosen genannt.

24. Januar 1898 in Loburg das letzte Mal erwähnt:

„Nicht bloß das Dorf verschwindet, sondern auch die Vorwerke, Niemeck, Thümermark und Klitsche. Nur die beiden alten Dorfkirchhöfe und die Kirche werden der Nachwelt von dem ehemaligen Dasein des Dorfes Kunde geben. Vorgestern fand in Gloine die Versteigerung der zum Abbruch bestimmten Gebäude des Ortes statt; etwa 100 Gebäude, darunter Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude usw. wurden verkauft. Innerhalb von fünf Tagen muss nach Hinterlegung von einem Zehntel der Kaufsumme, mit dem Abbruch begonnen werden, der bis zum 15. März vollendet sein muss.“

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Am 5. November 1932, schieb Pfarrer Kamrodt aus Drewitz:

... Während die anderen die Gegend betrachten und davon sprechen, wie schön es in Gloine gewesen sein muss, suchen wir zu dreien den Friedhof nach einer alten Zeichnung von Herrn Otto Andree Zielenzig. Grabhügel sind nicht mehr zu sehen. Aber an Büschen und einer Grabeinfassung, die eben noch hervorschaut, sehen wir dann: hier war der Friedhof. Auf einmal ruft Herr Superintendent uns an. Er hat Feuerlilien, Lilium bulbiferum- gefunden, die aus Gras und Fliederbüschen  hervorstehen, und ein paar Schritte weiter  Taglilien- Hemerocallis-. Ein Weilchen stehen wir still. Wer mag sie gepflanzt haben, Wie lang mag es wohl her sein? Die Lilien reden von Tränen und Weh, begrabener Hoffnung, verlorenem Glück. Oder reden sie von größerem noch als Leid und Schmerz? Ein Spruch geht mir nicht aus dem Sinn über diesen Gräbern und Blumen: „Die Liebe höret nimmer auf“...

 

Der deutsche Kaiser Wilhelm der II besuchte am 22. August 1899Altengrabow. Es fand der erste Altengrabower Kaisertag statt. Das war eine Besichtigung der jährlichen Truppenübungen unter Teilnahme des Kaisers Wilhelm II Der Kaiser besuchte den Truppenübungsplatz insgesamt 9 Mal. Seit den Anfangszeiten gab es ein eigenes Lied zu der Gegend des Truppenübungsplatzes:

Altengrabow tief im Sande, scheint die Sonne glühend heiß,
wo so manchem jungen Krieger, von der Stirn rann der Schweiß.
Und des Morgens in der Frühe geht es schon bergauf, bergab.
Und es ruft der strenge Hauptmann "Marschrichtung der Gloinebach!"
Gloine selbst ist längst zerschossen; traurig steh'n noch Reste da.
Und das Kirchlein mit dem Kreuze steht noch zur Erinn'rung da.
Dort in Gloine, die alte Mühle, wo so manches Korn gemahl'n,
Wo so mancher junger Krieger oft hat seinen ersten Schuss getan.
Und von Gloine bis nach Klitsche und von dort nach Briesenthal,
Mussten wir mit vollem Affen Laufschritt machen manches mal.
Und des Mittags in der Küche hat man dann an uns gedacht,
Denn es wurde uns zur Stärkung Dörrgemüse zurechtgemacht.

Deutschland beginnt, sich auf eine neue Rolle der Welt vorzubereiten. Das Resultat sind zwei verheerende Weltkriege. Zum Ende des 2. Weltkrieges  wurden hier mehrere Hundert italienische Kriegsgefangene interniert. Seit 1945 war der Truppenübungsplatz in den Händen der Roten Armee und Jahr für Jahr auch von der NVA genutzt. Die Kirche von Gloine wurde Opfer von Schießübungen. Nach dem Abzug der GUS Truppen 1990, übernahm die Bundeswehr das von Altlasten und gefährlichen Fundmunition durchsetzte Terrain. Seit 1994 findet genau an der Stelle, wo einst Gloine stand, zu Christi Himmelfahrt, ein Feldgottesdienst statt. Mitten im ehemaligen Gloine steht jetzt ein großes hölzernes Kreuz, in Erinnerung an all jene die ihrer Heimat entraubt wurden.

 

                                                                                 

Das schwere Schicksal der Gemeinde Gloine: 

Wirtschaftliche und militärische Entwicklung brachten das Ende

W.Grune

 Doch mit Ruhe und Frieden war es im Jahr 1806 vorbei. Bereits zehn Tage nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt steht die französische Heeresgruppe des Grafen Bernadotte in Stärke von sage und schreibe 24000 Mann in und um Gloine. Im nu waren Keller, Kammern und Ställe von den Besatzern leergefegt. Wer nicht freiwillig alles gab, wurde von den Soldaten schwer misshandelt. Pastor und Gemeinde flohen daraufhin mit all ihrer geretteten Habe und verbargen sich in den Wäldern. Tag und Nacht hatte der Bauer Vorspanndienste geleistet. Dazu kamen die Kontributionsleistungen in barem Gelde, solange überhaupt noch welches vorhanden war. Besonders schlimm ging es in Gloine in den Monaten Oktober 1807 bis Juli 1808 zu. Ein starkes französisches Kavalleriekommando hatte im Dorf Quartier bezogen und lag der Gemeinde auf der Tasche. Die Verhältnisse besserten sich erst wieder, als die Truppen infolge von Niederlagen französischer Heere nach Spanien verlegt wurden. Die Ruhepause dauert nicht lange. Napoleon rüstete zum Schlag gegen Russland, und so standen 1812 wieder französische Truppen im Lande. Während des Feldzuges störten aber nur noch Etappennachschübe den Dorffrieden. Da kam die Kunde vom Untergang der Großen Armee. Am 7.März 1813 zogen Wittgensteinsche Kosaken ein . Während der folgenden Auseinandersetzungen mit den französischen Truppen wurde Gloine für kurze Zeit preußisches Heerlager. Auf einer Gedenktafel vor der Gloiner Kirche war in Erinnerung daran zu lesen „Hier im Dorfe Gloine rasteten die Truppen des Generals von Borstell in der Nacht vom 4. zum 5. April 1813 wegen der ersten zur Deckung Berlins und der Mark Brandenburg erfolgreich an der Elbelinie gegen mehr als doppelte feindliche Übermacht geführten Kämpfe des Befreiungskrieges. Gedenket dankbar der Väter, die in schwerer Zeit Großes geleistet haben und bemüht euch, ihrer würdig zu sein.“ Am Abend des 24. Oktober 1813 näherte sich ein gespenstiger Zug dem Dorf. Bei Fackelschein passiert der gefangene sächsische König, der bis zuletzt auf französischer Seite kämpfte, mit seinem gesamten Hofstaat die Gemeinde. Auch der König von Preußen passierte mehrmals den Ort. Infolge der ständigen Truppendurchzüge geriet der Ort wieder an den Bettelstab. Hinzu kam, aß im November des Jahres 1813 die Hälfte des Rindviehbestandes Rinderpest zum Opfer fiel. Am 3. Mai 1839 legt ein Feuer, bei der auch das Pfarr und Schulgebäude abbrannten, das halbe Dorf in Schutt und Asche. Nicht viel besser erging es den Vorwerken und Rittergütern in der Umgebung. Dazu gehörten das Rittergut Thümermark, das Rittergut Briesenthal(ursprünglich ein Dorf, das in der letzten Hälfte des 14. Jahrhundert s aufhörte zu existieren)das Vorwerk Niemeck und das Vorwerk Klitsche, das 1459 letztmals als Kirchdorf genannt wird. Von seiner Existenz kündeten noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Reste der Kirche. Dieses Schicksal bleibt aber auch dem Dorf Gloine nicht erspart. Nach dem Krieg gegen Frankreich 1870 bis 1871 kam es in Deutschland zu einem kräftigen Aufschwung der Wirtschaft und das Militärwesens. Dabei ging die Entwicklung des Militärs nicht spurlos an der Gegend zwischen Lobur, Schweinitz, Wüstenjerichow, Reesdorf, Tucheim, paplitz und Ziesar vorüber. Historisch belegt ist, dass das Gebiet ab 1891 als Manövergelände genutzt wird. Davon profitieren erst alle in  diesem Gebiet liegenden Gemeinden und Städten. Der Gemeinde Gloine aber wurde das zum Verhängnis. Anfang der 90er Jahre wurde bekannt, dass die oberste Militärbehörde im Jerichowschen Land den Aufbau eines ständigen genutzten Schießplatzes plant. Tatsächlich erschien dann im Frühjahr 1893 die ersten Militärkommission von Berlin, um das Gelände auf seine Eignung für den Aufbau eines Übungsplatzes, auf dem scharf geschossen werden sollte, zu prüfen. Das man im deutschen Generalkommando zu dieser Zeit fest mit dem Schießplatz im Raum Gloine-Klitsche rechnet, zeigt, die Durchführung von Schießübungen des Infanterie-Regimentes 26 vom 25. Juli bis 19. August 1893. Im Februar 1894 steht der Ankauf von Gloine und Briesenthal durch den Militärfiskus fest. Das ist das Ende von Gloine. Viele Einwohner können das nur sehr schwer verkraften, wehren sich gegen die Aussiedlung. Heimweh zog die Einwohner immer wieder zurück. Alljährlich traf man sich dort wo einst Gloine stand. Bei der Windmühle und vor der Kirche, die noch länger erhalten blieben, feierte man in Wehmut. Die letzen Häuser der Gemeinde fallen im Januar und Februar 1899. Der Gesamtpreis, den der Militärfiskus an die Einwohner Gloines zahlen musste, betrug 4 940 00RM..

 

                                                                                                            

Gloine- Wo sind sie geblieben?(Übersetzung)

 

Pfarrer Kamradt-Drewitz

Wo sie geblieben sind die alten Gloiner? Komm, wir nehmen den alten Plan von Herrn Otto Andree zur Hand, und Mertens Mutter und Frau Richard Wiere führen uns. Am Ausgang des Dorfes nach Görzke fangen wir an. Da, nicht weit vom Friedhof, wohnt Briefträger Mengewein. Er ist noch in Gloine gestorben. Ihm gegenüber der Familie Koch ist nach Großlübars gezogen und wer durch Magdeburgerforth mit unserer Kleinbahn fährt, kann in Herrn Bahnhofsvorsteher Koch einen alten Gloiner begrüßen. Wenn er zufällig Zeit hat, zeigt er dir vielleicht das alte Gloiner Pfarrhaus, das jetzt an der Bahn steht(Magdeburgerforth-Haus Spieth).

 

 

Das Pfarrhaus der Gemeinde Gloine . Heute steht es im Original in Magdeburgerforth zur Linken Richtung Reesdorf.

Neben Kochs wohnte Thüms; ihr Weg führte nach Ziesar. Thüms gegenüber war der Gasthof Jechow. Herr Jechow hatte, solange Gloine noch belegt war, das Kasino. Aber wo er dann geblieben ist? Am Weg nach Niemegk wohnte Peter Kunze. Er verzog nach Altengrabow-einer der Kaiserpförtner! - Seine Tochter ist Frau Nickel aus Drewitz. Müller Franke ging in seine alte Heimat Rosian. Nun kommt das Haus von Gustav Mengewein. Ja, wo mag seine Familie neue Heimat gefunden haben? Müller Eilert auf der anderen Seite ist Ziesarer geworden und in Ziesar gestorben. Die Familie seines Nachbarn Meißner finden wir wieder in Dörnitz, Drewitz und Burg. Degeners am Weg nach Schweinitz, die die Post in Dörnitz übernahmen, sind jetzt in Nordenham. Nachtwächter Hinze ist in Drewitz gestorben. Landwirt Jänicke ist nach Görzke gewandert. Er, Degener und Hinze hörten wohl zuerst, wenn „Kulmeth“ mit der Klarinette von Schweinitz kam und mit „Musike“ seinen Einzug hielt. Die Arbeit ging bei der Jugend noch mal so schnell. Denn war Kulmeth da, so war abends Tanz. Lang ist`s her- aber es war so schön. Ja, ja, ihr wist das noch! Jetzt gehen wir miteinander der Kirche zu. Da wohnte links, nach einem Miethaus, dessen Einwohner wir nicht mehr sicher zusammenkommen, Schmiedemeister Meyenberg. Der war ein Weile in Drewitz, dessen Eltern gleichfalls in Großlübars eine neue Heimat fanden. Stellmacher Heine finden wir in Görzke wieder, ein Sohn soll in Rosian, der andere in Homburg sein. Nun kommen wir zum Gasthof Eilert. Herr Eilert ging nach Loburg, dort ist seine Tochter verheiratet, der Sohn lebt als Lehrer in Magdeburg. Da wir beim Gasthof angekommen sind, wollen wir es für heute genug sein lassen und wenn wir etwas  nicht richtig gesagt haben- ei nun, dann mag man`s uns sagen. Wir freuen uns auch, wenn wir noch neue Nachrichten bekommen.

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Kirchenvisitation in Gloine

Pfarrer Kamrodt -Drewitz

 Nein- ich meine keine Kirchenvisitationen von denen die Alten berichten. Ich denke an die letzte „Visitation“ Anfang Oktober diesen Jahres. An einem wunderschönen Herbsttag war Herr Superintendent mit den Pfarrern des Kreises in Gloine. Wie sich`s gehört, fingen wir mit der alten Kirche an und wunderten uns über alte Gemälde, die offenbar irgendwann übertüncht nun wieder zum Vorschein kommen und die wir noch einmal dem Provinzialkonservator zeigen  müssen. Jemand entdeckt eine Inschrift. Genau ist sie nicht mehr zu entziffern, aber soviel geht aus ihr hervor, dass die Kirche im oder kurz nach  dem 30 jährigen Kriege unter einem Pfarrer Calozky erneuert worden ist. Calozky! Was hatten wir schon nach diesem Namen gesucht. Ein Nachkomme dieses Pfarrers-er war später im Anhaltischen- fragte immer und immer wieder an, ob in den Akten nichts zu finden wäre. Es war nichts da. Unerwartet finden wir den Namen hier. - Wir gehen hinaus in den Herbsttag, suchen den Maulbeerbaum, dessen süße, brombeerenähnliche Früchte von den Kindern so begehrt wurden, und suchen den Zierbrunnen bei Hanemanns. Aber der Brunnen ist wohl zugeschüttet, wir finden ihn nicht. Während die anderen die Gegend betrachten und davon sprechen, wie schön es in Gloine gewesen sein muß, suchen wir zu dreien den Friedhof nach einer alten Zeichnung von Herrn Otto Andree Zielenzig. Grabhügel sind nicht mehr zu sehen. Aber an Büschen und einer Grabeinfassung, die eben noch hervorschaut, sehen wir dann: hier war der Friedhof. Auf einmal ruft Herr Superintendent uns an. Er hat Feuerlilien_Lilium bulbiferum- gefunden, die aus Gras und Fliederbüschen  hervorstehen, und ein paar Schritte weiter  Taglilien- Hemerocallis-. Ein Weilchen stehen wir still. Wer mag sie gepflanzt haben, Wie lang mag es wohl her sein? Die Lilien reden von Tränen und Weh, begrabener Hoffnung, verlorenem Glück. Oder reden sie von größerem noch als Leid und Schmerz? Ein Spruch geht mir nicht aus dem Sinn über diesen Gräbern und Blumen: „Die Liebe höret nimmer auf“...

 

 

                                                                                                              

Heimat – verschwunden—unvergessen

Erna Schröder 

„Hier weilt noch einer aus dem Heimatdorf Gloine, weitab von der lieben ehemaligen Heimat. Ja, es war sehr schön, wie wir noch als Jungens im Sommer Soldat spielten in den Bergen und Wäldern. Natürlich musste ich in Vaters Werkstatt Holzsäbel für meine Kameraden dazu machen. Aus unsern Kinderspielen ist harte Wirklichkeit geworden. Die Heimatflur von Gloine wurde Truppenübungsplatz. Ich selbst habe noch ein meinem Heimatdorf als Soldat bei der Artillerie Dienst tun müssen. Da sah ich den Jerusalemberg wieder, wo ich als Schuljunge gespielt hatte. Der Jerusalemberg hatte damals einen schönen Gedenkstein erhalten; den hatte der damalige Kaiser Wilhelm II. setzen lassen zur Erinnerung an seine Reife nach Jerusalem im Jahre 1898.“

So schrieb mir mein Oheim(Onkel) Otto Andree aus Zielenzig, als er den ersten Bericht über Gloine in der „Heimatflur“ gelesen hatte. Bei ihm lebt auch noch so manche liebe Erinnerung, die er trotz seiner zweiten Heimat nicht vergessen wird. So kann er sich noch an manche Dinge erinnern, die er damals erlebt hat.-

Im Sommer tummelte sich mein Oheim mit Friedel Bethge, Otto Eilert, Hermann und Auguste Meißner und Otto Hornemann auf dem Felde auf der Strohmiete, rutschten schnell hinunter und bums- den anderen auf den Kopf. Von hier aus ging’s zu Ihms; hier war das sogenannte „Hauptquartier“. Hier wurde überall herumgekrochen. Im Schafstall, dann bei den Kühen, auch mal im Garten. Hier schnell die Stange zur Hand, die Birnen heruntergeholt aus Übermut, zum Schmaus. Der Vater Wilhelm Ihms war sehr gemütlich. Er bestrafte die Jungens für ihre Tat nicht. - Jeden Sonntag fuhr er mit Herrn Pastor Bethge nach dem Gottesdienst nach Dörnitz und Drewitz. Da es nun mehrere Kameraden waren, hatten sie auch noch am Abend zusammen ihr Vergnügen. Backofenberg war Treffpunkt; da wurde dann in den ruhigen Straßen noch Versteck oder Greifen gespielt. Am Sonntag ging’s nach dem Jerusalemberg. - Gloine hatte auch eine sehr schöne Umgebung, die ja ein alter Gloiner nie vergessen wird. Im Sommer gings zum Baden in die Schwemme am Thümer Weg. Es gab eine große und kleine Schwemme. Im Winter gab’s dieselben Freuden auf der Schwemme oder in der Wort, Schlittschuhlaufen oder mit dem Eisschlitten geschlittert (Pickschlitten), den wir jetzt nicht mehr kennen. Das ging nun solange, bis es dunkel wurde, denn modernes Licht, wie es heute ist, gab es in Gloine noch nicht. In der Schule wurde gut gelernt und gearbeitet. Gern hatte mein Oheim auch die Turnstunden am Mittwoch und Sonnabend. In den ersten Jahren wurden sie bei der Schule oder unter der Friedenseiche abgehalten. Später wurde nach einem richtigen Turnplatz gesucht. Man wollte ihn am „Osterberg“ anlegen. Der Platz wurde ausgemessen. Die Schuljungens mussten gemeinsam mit ihrem Lehrer Kantor Lange, bauen und graben mit Picke und Spaten. Bäume und Sträucher zierten die Umrandung. Als der Platz fertig war, gings dann am Sonnabend mit Trommel und Pfeifen hinaus.

Auch Ostern war für diese Jugend ein großes Fest. Am Sonnabend vor Ostern gab’s auf dem Osternberge ein großes Osterfeuer. Auch in der Umgebung flackerten die Osterfeuer. Die älteren Leute hatte sie wohl damals vorbereitet. Es war ein Vergnügen, so etwas in der dunklen Nacht mit anzusehen. Am Ostermorgen wurden die Ostereier gesucht. Natürlich hatte Mutter diese gefärbt und versteckt. Nun gings damit nach dem Osterberg  Wer nun von ihnen am höchsten werfen konnte und dessen Osterei nicht entzwei ging, der war der König. Heute kennt man das als Eiertrudeln, Kameraden werden sich auch noch erinnern können. Gloine bleibt unsere schönste Jugenderinnerung. War im Winter der Schnee geschmolzen, so kamen große Überschwemmungen, und die Dämme wurden aufgerissen, wie bei Steffens die Brücke. Bei diesem Tauwetter lief der Gloinebach über und das Wasser kam bis in die Ställe und Keller der Bewohner. Das Wasser kam schon von der Brandsheide und ganz überraschend- Ist auch die Heimat verschwunden, sie bleibt dennoch unvergessen.

 


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