Vor über 100 Jahren begann die Geschichte des Schieß und Truppenübungsplatzes Altengrabow

         

                                                                                Offiziersheim 1936                                      Postkarte von Fotograph Max Schütze "Flucht aus Altengrabow"

 

 

Der 15.März 1898- der letzte Tag des kleinen Dorfes Gloine

Hartwig Lindner u. Andreas Mangiras

Gloine. Für das längst verwundene Dorf Gloine im Dreiecke Loburg-Altengrabow-Schweinitz ist der heutige 15.März 1995. Genau heute vor 97 Jahren wurde das Schicksal des einen Ortes endgültig besiedelt. An diesem Tag verließen auf Geheiß des deutschen Kaisers die letzten Bewohner den Ort für immer. Aus zeitgenössischen Quellen ist zu erfahren, dass die rund 350 ausgesiedelten Bewohner spöttisch, die „Heimatlosen“ genannt wurden. Sie siedelten sich in den umliegenden Ortschaften an. In Drewitz entstand ein Teil der Gloiner Dorfkirche neu.

Geschützfeuer seit 1894

Der Untergang von Gloine und mit ihm von fünf weiteren Gütern und Vorwerken, Glienecke, Niemeck, Thümermark, Briesenthal und Klitsche, geht bereits auf das Jahr 1893 zurück Damals forderte Kaiser Wilhelm für das III und IV. Gardekorps einen Schießplatz. Noch im gleichen begutachtet eine hochrangige Militärkommission aus der Reichshauptstadt Berlin die Gegend. Vom 25. Juli bis dem? August 1893 absolviert das Infanterieregiment 26 das erste Übungsschießen mit scharfer Munition im Raum Bomsdorf, Thümermark und Schweinitz. Quartier bezogen die Infanterie in Loburg, Groß und Klein Lübars, Hohenziatz und den umliegenden Gütern.

Bereits nachweislich zwei Jahre später zwei Jahre später stehen bei Gloine die ersten Armeezeltlager und fanden in der Gegend militärische Feldübungen statt.

Im Februar  1894 bereisen wieder höhere Offiziere das Gebiet und am 23. März fällt die endgültige Entscheidung, dass das Gebiet Truppenübungsplatz wird. Dabei fällt die Gemeinde Schweinitz aus den Berechnungen des Militärs heraus. Dem Dorf wird das Schleifen erspart. Am 22. Juli 1894 findet das erste Artillerieschießen bei Gloine statt. Am Werk ist eine in Burg stationierte Einheit. 1898 kauft das Deutsche Reich auf Beschluss des Reichstages das Gelände bei Altengrabow. Die erste Rate betrug eine Million Mark. Das teuerste Gehöft in Gloine kostete 90000 Mark.

Von Amtswegen wird Gloine am 24 Januar 1898 in Loburg letztmalig erwähnt: “Nicht bloß das Dorf verschwindet, sondern auch die Vorwerke, Niemeck, Thümermark und Klitsche. Nur die beiden alten Dorfkirchhöfe und die Kirche werden der Nachwelt von dem ehemaligen Dasein des Dorfes Kunde geben. Vorgestern fand in Gloine die Versteigerung der zum Abbruch bestimmten Gebäude des Ortes statt; etwa 100 Gebäude, darunter Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude usw. wurden verkauft. Innerhalb von fünf Tagen muß nach Hinterlegung von einem zehntel der Kaufsummer, mit dem Abbruch begonnen werden, der bis zum 15. März vollendet sein muss.“

Von nun an ist das Gebiet bis zum heutigen Tag in militärischer Obhut. 1899 besucht der deutsche Kaiser Altengrabow. Im kleinen beginnt, was im großen Stil in den nächsten Jahrzehnten ausufert. Deutschland beginnt, sich auf eine neue Rolle der Welt vorzubereiten. Das Resultat sind zwei verheerende Weltkriege. Zum Ende des 2. Weltkrieges  wurden hier mehrere Hundert italienische Kriegsgefangene interniert. Im letzten Jahr suchte die Kriegsgräberfürsorge des Appenninenlandes nach Gräbern und Toten.

Seit 1945 war der Truppenübungsplatz in den Händen der Roten Armee und Jahr für Jahr Übungskampffeld auch für die NVA. Nach dem Abzug der GUS Truppen 1990 übernahmen die Bundeswehr das von Altlasten und gefährlichen Fundmunition durchsetzte Terrain und wollen es auch zukünftig militärisch nutzen. Unter anderem sollen zwei Schießübungsbahnen für Panzer entstehen.

Dulgeziz(Gloine) Schon 1187 wurde Gloine erstmals genannt, als Bischof Balderam von Brandenburg, den Besitz des Klosters Leitzkau bestätigte. Hier war der Ort noch unter dem Namen Dulgeziz bekannt. 1189 taucht der Ortsname Gloyne auf. Vom Kerkglune war 1397 die Rede und von 1408 bis 1416 hieß es Glyne. Gline 1782 und dann schließlich ab 1840 Gloine.

Am 20. Februar 1189 bestätigt Papst Clemens III. das slawische Dorf als Besitz des Klosters Leitzkau. 200 Jahre schien der Ort wüst gewesen zu sein. Dieses Wechselspiel zwischen Wüstung und bewohntem Ort dauert bis 1449. Im Jahr 1500 wird Gloine als Pfarrkirchhof bekannt. Seitdem ist es für lange Jahre ein bewohntes Dorf. Ein Visitationsprotokoll von 30. August 1562 beweist, dass der Ort dem Amt Loburg zugeordnet  wurde16 Hauswirte besiedelten Gloine. Der Pfarrer war 18 Monate im Amt. Zu seinem Einkommen zählten unter anderem: ein Hufe in der Mark Gloine und zwei Hufen in der Feldmark, Obergloine sowie 30 Mandel Getreide aus der Gloiner Feldmark, vier Pfennig Opfergeld von jeder Person, die zur Kommunion ging  sowie ein Groschen von jedem Kind oder Mahlzeit. Weiterhin einen Groschen bei einem Begräbnis. Gloine hatte auch einen Küster. Ihm standen im Jahr  27 ½ Scheffel Korn von den Hüfnern, zu Ostern aus jedem Haus zwei Eier, acht Pfennig von jedem Kind und das gleiche Geld für eine Beerdigung zu. Zu dieser Zeit war Gloine wie man sieht, ein wohlgeordnetes Dorf. Im Hausbuch das Amtes Loburg aus dem Jahre 1641 ist über Gloine folgendes zu lesen: Gloine „ist zu guten Friedenszeiten“ das beste und nutzbarste Dorf das Amtes gewesen nach dem alten Erbregister werden das Schulzengericht, neun Ackerleute, fünf Kossaten der Krüger und zwei Müller( die beiden Mühlen stehen nicht mehr) mit ihren Abgaben und  Diensten aufgeführt. 1638 war „im Dorf kein Mensch vorhanden, sondern alda wie auch in der Nachbarschaft alles öhde und wueste.“ Das bestätigte auch der anhaltische Kanzler Miladius 1645 in einem kleinen Reisebericht

 Von Zerbst nach Berlin. Er sei, so berichtet er, von sieben Musketieren aus Magdeburg oder Wittenberg angegriffen worden und um seine Habe gebracht. Durch das wüste  Dorf Gloine zu reisen ihm graut. Der Kanzler bezeichnet den angrenzenden Ort Schweinitz als ein rechtes Räubernest. Erst 1782 war der Ort auf 30 Feuerstellen mit 194 Einwohner anwachsen und verfügte über  eine Flur von 2090 Morgen. Der größte Teil des Dorfes brannte am 3. Mai 1839 nieder. 1843 hatte Gloine mehr Einwohner als je zuvor, nämlich 254.

Glynicke (Glienecke).Ebenfalls zum Burgbezirk Loburg, in der Flur des Rittergutes Klein-Lübars gelegen gehörte das Dorf Glienecke. Unter dem Namen „Eustachius Glineke plebanus“, (ein Seelsorger mit Pfarrei), 1217 erstmalig genannt, ruhten alle Überlieferungen bis im Lehnsbuch Albrecht III. und Peters (1368- 1381) bei den Stiftsvasallen des Schlosses Loburg und der Vogter Burger der Ritter Konrad  Bogensack in Lehnbesitz der Feldmark in Glynicke“ erwähnt wird. Auf der wüsten Flur entstand wieder ein der Familie Thümer gehörendes Vorwerk mit Schäferei, genannt Glienecke. Dieser Ort konnte seinen slawischen Namen, wie auch Gloine nie ablegen. Von 1368 bis 1381 war der Name Glynike bekannt. Es folgten danach die Abwandlungen Gloneke um 1383,Burxlinke 1448 und Bocks-Glienecke 1842. Das Dorf hatte 1782 eine Flur von 1030 Morgen, zu der eine Minibevölkerung von ganzen 24 Einwohner zählte, die acht Feuerstellen unterhielt.

                                                                                                             

Wilhelm II. steigt in Loburg um- Der Fensterplatz im Hotel kostet 20 Mark

Loburg. Der Truppenübungsplatz Loburg“,1895 als Schießplatz Gloine eröffnet,  wird Anfang des Jahres 1900 in Truppenübungsplatz Altengrabow umbenannt. Damit heißt der Truppenübungsplatz so wie das frühere Mühlengut auf dem Gelände, in dessen Hauptgebäude bis 1945 der Platzkommandant residiert.

Bereits im Mai 1900 kommt mit dem Generalinspekteur Prinz Leopold von Bayern hohen Besuch nach Loburg und Altengrabow gegeben. Am 20.Juli trifft dann der Hofmarschall und Großmajor des Kaisers in Altengrabow ein, um den diesjährigen Besuch des Kaisers  Wilhelm II. bei der Truppe in Altengrabow vorzubereiten. Es ist der zweite Besuch des Kaisers nach 1899 in Altengrabow, sieben weitere Besuche werden zwischen 1902 und 1915 folgen. War Wilhelm II.1899 noch bis Nedlitz gefahren, rollt der Hofsonderzug am 13. August in Loburg ein. Der Chronist berichtet: “Das stille Landstädtchen hat sich mächtig angestrengt. Der freie Platz vor dem Bahnhof ist schon eine Stunde vor Einfahrt des Kaiserzuges für jeden Verkehr gesperrt. Der Straßenzug nach Groß-Lübars wird mit einer dicken Sandschicht bestreut. Girlanden und Ehrenpforten mit flatternden Fahnen prangen festlich. Das ganze Städtchen und das Land auf Meilen in der Runde sind in freudigster Erregung. Der Wirt der „Erholung“, dem Bahnhof gegenüber, vermietete die Fensterplätze seines Hauses für 20 Mark. Auch Groß-Lübars, das seine Majestät passieren muss, hat sich festlich herausgeputzt. Um 7 Uhr morgens läuft der Kaiserliche Salonwagen in den sechs blaugelben Salonwagen in den Loburger Bahnhof ein. Der Generalleutnant von Barby und der Loburger Bürgermeister Fleischer begrüßen den Kaiser mit kurzen Ansprachen. Huldigungsgedichte und Blumengabe fehlten nicht. Durch das Spalier der Kriegsvereine, Schulen, Turnen und Schützen fährt der Kaiserliche Wagen ohne Spitzreiter dem Truppenübungsplatz zu, allenthalben umjubelt von der Volksmenge..“

In Altengrabow sind zum Kaisermanöver ungeheure Massen an Reitern zusammengezogen worden. Vier Schwadronen der schon seit einer Woche in Altengrabow liegenden Leib-Gardehusaren, der Lieblingstruppe des Kaisers, müssen den Truppenübungsplatz verlassen, weil in ihrem Pferdebestand eine Seuche ausgebrochen ist. Einer Schwadron Garde-Dragonern ergeht es ähnlich. Höhepunkt auch des 1900er Manövers in Altengrabow ist dennoch die große Kavallerie-Attacke, die der Kaiser persönlich anführt.

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