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Dörnitz vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Der Name kennzeichnet schon die Eigenschaft der Gegend, wie sie von jeher war und noch ist: dörr-trocken.

Die ältesten Nachrichten von Dörnitz gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Das alte Adelsgeschlecht derer von Schierstedt hatte in mehreren Generationen dem Kurfürsten von Brandenburg Kriegsdienste geleistet. Dafür wurden sie von letzterem mit den fast noch unbewohnten, öde und brach liegende Ländereien und Wälder, die um Dörnitz lagen, belehnt. Wenn ein Lehnsträger starb, so erlosch der Lehnsvertrag, und der Sohn des Verstorbenen musste erneut beim Kurfürsten um Belehnung nachsuchen. So zogen die Schierstedt in Dönitz ein, und eine rege Kolonisation begann. Als Kavalleristen brachten sie ausgediente Kavallerie- Pferde mit, denn es fehlte ja in dem öden Ort an jeglicher Anspannung. Es wurde angefangen, brach liegendes Heideland urbar zu machen und  mit Roggen und Heidekorn zu bestellen. So konnte Brot gebacken werden.

Am Ufer der Gloine hatten sich schon länger einige Bewohner angesiedelt, vermutlich slawischen Ursprungs(Wenden). Diese lebten von Fisch und Krebsfang, sowie der Jagd. Ackerbau war ihnen unbekannt. Die Schierstedt brachten eine Anzahl Kolonisten mit, und es begann eine viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lange Aufbauarbeit. Zuerst entstanden die Häuser für die neuen Bewohner, meist aus Holz gebaut. Das Haus der Lehnsträger soll an der Stelle des Amtsmannhauses gestanden haben. Nach und nach wurden auch Stallungen und Scheunen gebaut. Später erhielt jeder der Siedler ein Stück Land zugeteilt. Daraus sind die Büdner entstanden.

Als erstes Vieh neben den Pferden zogen die Schafe in die Siedlung ein, die Nahrung genug auf der Heide und im Wald fanden und Dung für das urbar gemachte Feld betrachten. Nach und nach wurden auch Kühe und Schweine angeschafft. Im Winter war das Futter zwar recht knapp, man kannte ja noch keine Kartoffeln und Rüben. Es wurde angefangen, das weite Sumpfgelände an der Gloine zu entwässern und damit Heu zu gewinnen. So bestand das Winterfutter neben etwas Heu und Stroh hautsächlich aus Heide. Von Jahr zu Jahr wurde aber mehr Land urbar gemacht, und das kam allen Bewohnern zu gute: mehr Korn, mehr Brot, mehr Viehfutter, mehr Dung.

Die größte Leistung im 15. Jahrhundert in Dörnitz war die Anlegung des Mühlenteiches. Bei der Ausschachtung halfen neben den Schierstedt’schen Pferden auch Altengrabower und Gloiner mit Hand und Spanndiensten. Diese Arbeit nahm, nach dem Bericht in der alten Chronik, etliche Jahre in Anspruch. Die Wasserkräfte waren in jener Zeit ein großes Kapitel für das Land. Und so wurde in Dörnitz das Mühlengebäude errichtet. Um den Teich anstauen und ablassen zu können, wurde das Wehr, die sogenannte „Frei-Arche“, erbaut, und  das Wasser wurde über ein hölzernes Gerinne über die Wasserräder geleitet. Nachdem in Altengrabow schon eine Mühle bestand, die mit zunehmender Ackerkultur die Umgebend mit Mehl und Schrot versorgte- im Tausch gegen Getreide- wurde in der Dörnitzer Mühle erst eine Tuchwalke eingebaut, die später in eine Papiermühle umgewandelt wurde. Dort wurde Schreibpapier gefertigt. Einer der ersten Müller hieß Steinbrecht. Er war Lehnsträger derer von Schierstedt und ihnen abgabepflichtig.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in Dörnitz von Schierstedt die erste Kirche gebaut. Unter dem 20. Februar 1587 wird ein Pastor Johann Calotzky in Dörnitz genannt, der aber Wohnsitz in Gloine hatte. Die Kirche in Dörnitz stand bis 1860. In der Chronik ist unter dem 7. November 1610 zu lesen „Lehngut Dörnitz vom Erzstift Magdeburg belehnt an Caspar Friedrich von Schierstedt“. Dessen Bruder, Rittmeister Wolf Christoph von Schierstedt, fällt in der Schlacht bei Flenry in Belgien, und ein Herr von Borch auf Briesenthal wird zum Vormund des unmündigen Sohnes des Gefallenen bestellt, namens Hans- Christoph von Schierstedt. Um dieselbe Zeit heißt es: „Kirche in Dörnitz in gut baulichem Zustand erhalten von Patron G. von Schierstedt, der auch den Klingelbeutel einführte, heute noch enthalten.

Eine markante Persönlichkeit war der Kurfürstlich Brandenburgische Obristleutnant Friedrich Ludwig von Schierstedt. Er lebte von 1644 bis 1700 und ruht im Gewölbe unter der Kirche. Sein lebensgroßes Grabmal ist noch heute an der Ostseite der Kirche mit gut leserlicher Inschrift erhalten. Er hat 1680 die noch heute tönende Glocke mit der Inschrift seines Namens gestiftet, die also um Mitte vorigen Jahrhunderts von der alten baufälligen Kirche in die neue überführt wurde.

1695: Die Bewohner von Gloine und Dörnitz sagen in einem Bittschreiben an die Behörde, wie im Kriege alles von mordender Soldateska geraubt und geplündert wurde, so dass alles erst in die Wälder geflüchtet wäre. Zuletzt waren alle Dörfer wie ausgestorben und bis 1648 keine Menschenseele anzutreffen. Die Häuser waren auch vielfach durch Brand vernichtet. Was in den Kriegsgreulen nicht umgekommen war, raffte die Pest dahin. Wann sich nach dem Kriege wieder Menschen zum Aufbau fanden, sagt keine Chronik. Um 1690 aber- wie aus vorstehenden Nachrichten hervorgeht- hat sich wieder etwas Leben in den Dörfern eingestellt.

Dietrich Friedrich v. Schierstedt, verheiratet mit Louise Sophie v. Schierstedt geborene Borch, hatte durch Erbe noch das Rittergut Paplitz hinzubekommen und sie wohnten in Paplitz. Sie wünschte aber, falls sie als Witwe nach Dörnitz ziehen wolle, dass dort ein Haus für sie gebaut würde. Demnach musste es in Dörnitz mit der Wohngelegenheit schlecht bestellt sein. Vermutlich war das nun fast 200 Jahre alte Herrenhaus baufällig.

Obristleutnant Friedrich Ludwig von Schierstedt starb am 15. März 1700 im 56. Lebensjahr. Er war unbeweibt. Sein Bruder Caspar Friedrich erbte Dörnitz und Paplitz.

Es ist doch bemerkenswert, dass ein Enkel des berühmten Magdeburger Oberbürgermeisters nach dem großen Kriege und unsterblichen Physikers und Gelehrten Otto von Guericke hier nach Dörnitz kam und durch Heirat der Catharina Elisabeth von Schierstedt Besitzer des Gutes Dörnitz wurde. Ob nun der 1700 in den Besitz von Dörnitz gelangte Caspar Friedrich von Schierstedt gestorben war oder nur noch Paplitz inne hatte, war nicht zu ermitteln. Und wie lange Leberecht von Guericke Dörnitz inne hatte ,ob er sich ständig hier aufgehalten hat oder nur vorübergehend, sagten die alten Akten nicht.

Dörnitz vererbte sich aber nicht weiter auf den Namen Guericke, sondern ging an Schierstedt zurück.

1789 erbte Franz Friedrich von Schierstedt und seine vier Brüder von ihrem Vater, dem Landrat Dietrich Friedrich von Schierstedt, Dörnitz und Paplitz. Da Franz Friedrich, 50 Taler Ritter-Pferd-Gelder an den Staat verweigerte, erfolgte Strafandrohung. Im Erbteilungsregress 1790 erwarb der Forstmeister und Herzoglich Dessauische Kammerherr von Gesehen und Frau Wilhelmine von Schierstedt  Dörnitz und Paplitz für 70000 Taler. Franz Friedrich und seine vier Brüder waren wegen des Erbes in Streit geraten, und da keine Einigung zustande kam, erfolgte die Subhastation, d.h. Zwangsversteigerung, aus der der Forstmeister und Frau als Höchstbietende beide Güter erwarben.

1821 kaufte der Schneidemeister Höpfner- Magdeburgerforth den Kupferhammer mit. Kupferhammer war Mahl und Schneidemühle.

1856 traten die Stein-Hardenberg’schen Reformen in Kraft. Die Büdner von Dörnitz mussten im Grundbuch Loburg ihre Unterschrift geben, dass sie diese Ablösung der Schuld anerkannten. So wissen wir heute die Namen all‘ der damaligen Dörnitzer Büdner, von denen bis heute noch Namensträger vorhanden sind.

Folgende gaben ihre Unterschrift: Friedrich Baake, Wilhelm Lüdicke und Frau, Heinrich Zirgel und Frau Sophie geb. Bergfeld, Elisabeth Behrend und Ehemann, Christian Saaschmid, Carl Schade und Frau Käthe, Sophie Döberitz, Friedrich Otto, Joh. Friedrich Engelmann und Frau Caroline Wilhelmine geb. Gottschalk, Witwe sande, Peter Möhring und Frau,  Marie Riegel, Joh. Friedrich Nobel und Frau Sophie geb. Kupath, Christine Louise Klaue, Heinrich Haberland, Johann Steller.

Interessant ist, dass drei Büdner des Schreibens unkundig waren und jeder drei Kreuze machte.

8. Februar 1856: Erbpacht- Canon(Abzahlung) Louis Bertrand an Frau Wilhelmine Goerschen geb. von Schierstedt abgelöste. Der Papiermüller musste seinen Lehnsherren jährlich vier Rieß von besten „Herrenpapier“ liefern außer anderen ungenannten Lasten. Dem Rittergut lag die Verpflichtung ob, die große „Frei-Arche“ instand zu halten. Das Erbpachtrecht der Papiermühle Dörnitz eine Breite Acker und Weidegerechtigkeit für vier Kühe und fünf Schweine. Die Rentenbank erhält von Bertrand als jährliche Rente 117 Taler zu 4% und gewährt der Frau von Goerschen geb. Schierstedt 9600 Taler in 4% Rentenbriefe als Ablösung von ganz Dörnitz.

Mitte 18 Hundert erfolgte eine Neueinteilung der Feldflur.  Die Wiesen am Teich und längst der Gloine in Richtung Kupferhammer- vielfach mit Erlengestrüpp bestanden und versumpft- wurden von Louis Bertrand urbar gemacht. Als Louis Bertrand die Stärkefabrik gegründet hatte, wurde das Stärke-Fruchtwasser im Herbst und Winter auf die Wiesen geleitet. 50 Jahre hat Louis Bertrand in Dörnitz gewirkt. Da nun alle Söhne Bertrands anderweitig Berufe ergriffen hatten, übergab er Dörnitz Ende 1890 seiner Tochter Alma, die den Kaufmann Hermann Brasack geheiratet hatte.

1904 kaufte Emil Wagner das Rittergut und die Stärkefabrik von Hermann Brasack und Frau Alma geb. Bertrand. Der neue Besitzer war gelernter Kaufmann und Stärkefabrikant in zweiter Generation. Sein Vater  Friedrich Wagner hatte die Stärkefabriken Hohenziats und Zeddenick gebaut und betrieben. Emil Wagner hatte zuletzt die Stärkefabrik Wüstenjerichow mit 300 Morgen Acker von Wulfen gepachtet. Nach Ablauf der Pachtzeit siedelte er für ein paar Jahre nach der im Wald bei Magdeburgerforth gelegenen Ziegelei Reesdorf über, dem heutigen Waldhof. Und von dort zog Familie Wagner am 1. April 1904 in Dörnitz ein.

1918 ließ Emil Wagner eine mit Wasserkraft betriebene elektrische Lichtanlage bauen für Haus, Ställe, Fabrik, Hof und Arbeitshäuser. Welch eine Freude und welch ein Fortschritt war das, als das erste Mal alle elektrischen Lampen aufflammten und alle Räume taghell erleuchteten!

Der Wasserrad-Betrieb wurde 1922 durch Einbau einer Turbine modernisiert. Da nun die lieben Mitbewohner des Dorfes allabendlich die elektrische Beleuchtung erstrahlen sahen, kam einer nach dem anderen mit der Bitte um Anschluss an das elektrische Netz. Und dieser Bitte wurde von Emil Wagner entsprochen. So war allmählich fast das ganze Dorf mit elektrischem Strom versorgt. Auch Straßenbeleuchtung wurde angelegt, und der Strom dazu gratis geliefert. Welch eine Freude für alle!

Rudolf Wagner:“ Ich erinnere mich ,wie ich beim Zähler ablesen zu der guten alten Mutter Schenk kam, und sie beglückt sagte, auf die elektrische Lampe in der Stube weisend: „Nee sowatt, keen Strickholt brukt man nich, un bloaken deit se ook nich!“

1927 übernahm Rudolf Wagner von seinem Vater das Gut und verkaufte es 1930. Der karge Sandboden versprach keine Zukunft. In Folge der Konkurrenz von Mais und Reisstärke  war die Zeit der Stärkefabriken nach dem ersten Weltkrieg vorbei.

Dörnitz wurde 1930 durch einen von Besitzer des Gutes  erworbenen Gütermakler vereinzelt. Den Hof mit 400 Morgen kaufte Otto Niepagen aus der Altmark. 300 Morgen, die an die Staatsforst grenzten, erwarb die Oberförsterei in Magdeburgerforth. Nach Niepagen folgten noch ein paar Käufer des Resthofes. Scheune und Stall brannten ab und der totale Verfall der Gebäude setzte ein. Als letztes stand noch die Ruine des ehemaligen Gutshauses. Vom einstigen Gut erinnern nur noch die backsteinerne Torpfosten.

Was in Jahrhunderten aufgebaut war, wo viele Generationen mit Mühe und Erfolg, mit Fleiß und auch mit Sorgen geschaffen hatten, wo Freud und Leid sich die Hand gereicht hatten, sind heute nur noch Ruinen, von Baum und Strauch und Unkraut überwuchert.

„Vor der Zeit der Jahrhundertwende- ehe der Truppenübungsplatz die ganze Gegend umgestaltete- war unser Dörflein, angelehnt an die schönen, alten Kiefernwälder und anmutig in das Gloinetal gebettet, von dem klaren Wasser des Baches durchflossen, ein Idyll köstlicher Stille und Weltabgeschiedenheit. Die Bewohner nährten sich schlicht und recht auf dem kargen Sandboden, den sie mit Liebe bebauten. Sie waren anspruchslos und zufrieden. Auf den Vater folgte immer wieder der Sohn, gefesselt an Haus, Hof und Heimat. Wenn uns  so das verblichene Bild vergangener Jahre. Wir hören im Geiste, wie am Sonntagmorgen das alt-ehrwürdige Glöcklein zum Gottesdienst rief, wir sehen dabei den Schäfer seine Herde hüten.“ R. Wagner

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Männer-Gesang- Verein „Eintracht“, Dönitz 1908

 Dieses schöne Bild, das mich zurückversetzt in längst vergangen Zeiten.

1.Reinhold Möller,2.Herrmann Vietmeyer,3.Otto Ebert, 4.Friedrich Mosow,5.Friedrich Bischof, 6.Leopold Zander,7.Robert Hornemann, 8.Briefträger Ballerstein, 9.Schmiedemeister Gustav Krüger (nur Kopf), 10.Max Schütze, 11.Ernst Vestewig, 12.Karl Schenk, 13.Friedrich Krüger, 14.Leonhard Zander, 15.Otto, 16.Schenke, 17.Karl Heinicke

 

Und unser lieber Herr Maehns, wie jugendlich in vornehmer Haltung im Gehrock steht er da vor seinen geliebten Sängern, der weihevollen Stunde sich bewusst, als Dirigent feierlich die Stimmgabel erhebend.

Wie verstand er es doch, als begabter, geachteter Lehrer sich die Herzen seiner Schulkinder zu erobern! Wie war er beliebt bei Jung und Alt, und alles sah mit Respekt und Hochachtung zu ihm auf.Und nochmals habe ich eine Kostbarkeit entdeckt:

Ostern 1906 kam er vom Seminar Barby als Lehrer zu uns nach Dörnitz. Er stammt aus Aschersleben von einer alten Lehrerfamilie. Dönitz war sein erster und einziger Wirkungskreis, es war ihm seine zweite Heimat, an der er mit allen Fasern seines Herzens hing. Fast 40 Jahre übte er hier in Schule und Kirche seine sagenreiche Tätigkeit aus und musste durch die verbrecherische Hitler-Politik ein so überaus trauriges, tragisches Ende nehmen.

In unseren, seiner Schulkinder, Herzen sowie in der ganzen Gmeinde Dönitz aber lebt er fort und wird nicht vergessen werden.

Ehre seinem Andenken! Sein dankbarer Schüler Rudolf Wagner

Im Sommer 1978

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„Mein Herz erzittert, weil Erinnerung es durchzog, das Antlitz der Erinnerung ist wehmütig.“   Ricarda Huch

Und ich sehe im Geiste beim Sängerball sich die Paare drehen zum Klang der Musikkapelle in Strümpel- damals noch Kuhles-Saale. Welch‘ eine frohe Stimmung herrschte da! Und zwischendurch erfreute uns der Männerchor mit den altvertrauten, schönen Volksliedern und gab damit dem Fest die rechte Weihe, vollendet vorgetragen unter Leitung seines bewährten Dirigenten, unseres lieben, unvergesslichen Lehrers Arthur Maehnz.

„O schöne zeit, o selige Zeit,

wie liegst zu fern, wie bist du weit!“

„Sag mir das Lied, das so gern ich gehört:

Lang, lang ist es her….

Und all‘ die vertrauten Gesichter auf dem Bilde schauen uns so andachtsvoll an und erwecken frohe Erinnerungen in uns. Aber mit Wehmut, denn alle sind sie längst hinüber gegangen in ein Land, woher es keine wiederkehr gibt.

Wir Nachfahren aber wollen sie nicht vergessen und ihrer in Dankbarkeit gedenken!

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