Die alteFeldsteinkirche zuDörnitz

 

 

Sie ist einfach, die alte Kirche mit ihrer Glocke, die bereits vor mehr als 100 Jahren den Menschen zu rief. Die Zeit hat sich geändert aber nicht ihr Klang. Ihre großen Steinwände boten einst Schutz vor Gefahren. So beschützend wirkt sie auch heute noch, wenn sie hoch auf dem Kirchberg über Dörnitz wacht. Wenn sie weihnachtlich geschmückt hell im Kerzenschein erleuchtet und im kalten Winter, die Herzen der Besucher erwärmt. Jeder sollte einmal diesen Zauber der Ruhe und des Friedens fühlen. Man muss kein Kirchenmitglied, denn in einer Zeit der Schnelllebigkeit und des Egoismus braucht jeder etwas Ruhe und Frieden. Was ist da nicht schöner, als mit anderen Menschen, sich an einem Ort zu einem festlichen Anlass zu treffen und inne zu halten. Man findet in jedem Winkel Hoffnung und Glauben. Seid es in Gott oder in sich Selbst.

   

Grabmal in Lebensgröße an der Altar-Außenseite der Kirche in Dörnitz. Mit Inschrift:

Allhier ruhet Friedrich Ludwing von Schierstedt. Kurfürstlich Brandenburgerischer Obristleutnant ,welcher geboren am 27. März 1644, gest. 15. März 1700. Friedrich Ludwig ist der in den Archivalien von Dörnitz am meisten erwähnte Schierstedt, dessen Geschlecht Dörnitz gegründet und 500 Jahre besessen hat. Er hing mit grosser Liebe an seiner idyllisch gelegenen Heimat, wo er das Licht der Welt erblickte und wunschgemäß auch die letzte Ruhestätte fand. Die von ihm 1680 mit Inschrift seines Namens gestiftete Glocke läutet noch heute nach über 300 Jahren auf dem Kirchturm.

 

Die Geschichte unserer Kirche

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in Dörnitz von Schierstedts die erste Kirche gebaut. Unter dem 20. Februar 1587 wird ein Pastor Johann Calotzky in Dörnitz genannt, der aber Wohnsitz in Gloine hatte. Die Kirche in Dörnitz stand bis 1860. In der Chronik ist unter dem 7. November 1610 zu lesen „Lehngut Dörnitz vom Erzstift Magdeburg belehnt an Chaspar Friedrich von Schierstedt“. Dessen Bruder, Rittmeister Wolf Christoph von Schierstedt, fällt in der Schlacht bei Flenry in Belgien, und ein Herr von Borch auf Briesenthal wird zum Vormund des unmündigen Sohnes des Gefallenen bestellt, namens Hans- Christoph von Schierstedt. Um dieselbe Zeit heißt es: „Kirche in Dörnitz in gut baulichem Zustand erhalten von Patron G. von Schierstedt“, der auch den Klingelbeutel einführte, heute erhalten.

Der Pastor von Gloine erhält in Dörnitz einen Wispel Roggen jährlich. ( Ein Wispel =24 Scheffel, 1 Scheffel etwa 1 Zentner). Am 2. August 1569 Erbteilungsrecress  derer von Schierstedt auf Görzke und Großlubars. Demnach waren sie auch in diesen Orten ansässig.

Eine markante Persönlichkeit war der Kurfüstliche Brandenburgische Obristleutnant  Friedrich Ludwig von Schierstedt. Er lebte von 1644 bis 1700 und ruht im Gewölbe unter der Kirche. Sein lebensgroßes Grabmal ist noch heute an der Ostseite der Kirche mit gut leserlicher Inschrift seines Namens gestiftet, die also um Mitte vorigen Jahrhunderts von der alten baufälligen Kirche in die neue überführt wurde.

Ab 1692 entstand ein viele Jahre dauernder Streit, ob die Kirche in Dörnitz Filial von Gloine oder Görzke ist. In diesem Schreiben des Patrons der Kirche an das Konsistorium in Magdeburg heißt es wörtlich:“ Während meiner Abwesenheit von Dörnitz ist der Pfarrer von Gloine, Christoph Sommer,in meine Kirche „eingedrungen“ (d.h. er hat Gottesdienst darin gehalten).

So bestritt Friedrich Ludwig von Schierstedt als Kirchenpatron, daß Dörnitz Filial der Mutterkirche von Gloine sei, sondern Görzke. Dort saßen auch Schierstedts, und er neigte vermutlich mehr nach Görzke als nach Gloine. Friedrich Ludwig, als Soldat meist von Dörnitz abwesend –er wird sicher auch die Schlacht bei Fehrbellin 1675 mitgemacht haben- schien mit der Tatsache, dass Dörnitz kirchlich zu Gloine gehörte, nicht mehr recht vertraut zu sein, trotzdem Pfarrer Johann Calotzky 1587 schon Filial-Vertrag mit Dörnitz schriftlich bestätigt hatte.

August Hoch, Inspektor und Pastor primitiae in Loburg, tritt für Sommer ein, und alle Gemeindemitglieder von Dörnitz stehen auf Sommers Seite (im Jahre 1693). Aber auch von Borch auf Briesenthal und Ziesar ist gegen Sommer, und beide Edelleute entziehen dem Gloiner Pfarrer die ihm zustehenden Natural-Leistungen, so dass dieser- wie er schreibt- auf Borgen angewiesen ist.(9.März 1693). Darauf ergeht ein Befehl des Konsistoriums an Schierstedt und Borch, Sommer als Pfarrer anzuerkennen und ihm die zustehende Besoldung zu geben. Am 3. Juli 1695 geht eine Beschwerde des Pfarrers Sommer an das Konsistorium in Magdeburg wegen Herrn von Borch, der ihm immer noch die Naturalien vorenthält. Am 8.August 1695 beschwert sich Conrady Lonicery, Inspektor und Pastor primari in Ziesar, über Pfarrer Christoph Sommer – Gloine, dass dieser ihm seine Beichtkinder abspenstig mache, denn Briesenthal gehöre kirchlich zu Ziesar und nicht zu Gloine. (In Wirklichkeit war in der Gloiner Kirche eine Loge derer von Borch mit ihrem Wappen).

Am 28. Juni 1695 geht ein Gesuch Friedrich Ludwigs an den Kurfürste, ihn erneut mit dem Patronat über die Kirche von Dörnitz zu belehnen, die die Schierstedts auf eigene Kosten erbaut und erhalten hätten. In dem „alten deutschen Kriege“(30jährige Krieg)- da Dörnitz ganz wüst gelegen- wären alle Akten in den Kriegswirren verloren gegangen. Er selbst hätte dem Kurfürsten über 25 Jahre treue Kriegsdienste geleistet.

10. März 1695: Konsistorium des Herzogtums Magdeburg an Friedrich Ludwig von Schierstedt, dass dem Pfarrer Christoph Sommer zu Gloine die Vocation und Konfirmation über die Kirche zu Dörnitz ausgestellt ist.

Gloine,2.Februar 1695 : Pfarrer Christoph Sommer widerlegt in einem langen Schreibe an das Konsistorium das ihm von Ziesar Vorgeworfene bezüglich Abspenstig machen der Kirchgänger, die von dem Gloine nahe Briesenthal nach Ansicht des Ziesarer Pastors den sehr weiten Weg zur Kirche nach Ziesar machen sollen, obgleich Briesenthal nach altem Recht zu Gloine gehöre. Seit 1570  bescheinigt das Kirchenbuch die Zugehörigkeit von Briesenthal zu Gloine, und dem Schulmeister müssen jährlich acht Brote von Briesenthal an Gloine gereicht werden. Auch, dass Sommer ein verlobtes Paar ohne Aufgebot getraut habe, begründet er eingehend näher als menschlich-christlich.

1695: Die Bewohner von Gloine und Dörnitz sagen in einem Bittschreiben an die Behörde, wie im Kriege alles von mordender Soldateska geraubt und geplündert wurde, so dass alles erst in die Wälder geflüchtet wäre. Zuletzt waren alle Dörfer wie ausgestorben und bis 1648 keine Menschenseele anzutreffen, Die Häuser waren auch vielfach durch Brand vernichtet. Was in den Kriegsgreueln nicht umgekommen war, raffte die Pest dahin. Wann sich nach dem Kriege wieder Menschen zum Aufbau fanden, sagt keine Chronik. Um 1690 aber- wie aus vorstehenden Nachrichten hervorgeht- hat sich wieder etwas Leben in den Dörfern eingestellt.

Und unser lieber geplagter Sommer reicht wieder Beschwerde gegen von Borch ein, so dass das Konsistorium befiehlt(am 10.März 1698), das Borch dem Sommer das ihm Zustehende gebe. Die begründete Bitschrift Sommers an das Konsistorium lautet:“ Es muss der Pfarrer zu Gloine in Schweinitz und Dörnitz predigen, deren jedes von Gloine drei Meilen entfernt ist, wohin der Pfarrer allzeit mit Knecht und Pferden fahren muss. Dafür ist dem Prediger von Schweinitz zwar ein Wispel Roggen und von Dörniz zwölf Scheffel Roggen ausgemacht, welches mein Vorgänger auch erhalten, wie der Amtmann zu Loburg den Orten abbefohlen zu geben. Welches ich zu Anfang meiner Amtszeit auch sechs Jahre bekommen aber nun habe ich sechs Jahre nichts erhalten.“ Sommer bittet das Konsistorium, dafür zu sorgen, dass er Besagtes bekomme (22.7.1702).

Nun geben uns die alten ehrwürdigen Abendmahlsgeräte der Kirche zu Dörnitz willkommende Kunde der Jahre nach 1700.

Der versilberte Abendmahlkelch trägt die Jahreszahl mit den Anfangsbuchstaben der Spender 1617. Er hat also die furchtbare Zeit des 30 jährigen Krieges 1618- 1648 überlebt und ist heute(1978) noch unversehrt.

Wer mag ihn wohl in jener Schreckenszeit so sicher verwahrt haben? O, dass er doch erzählen könnte!

Die gut leserliche Inschrift auf dem silbernen Oblatenteller lautet:

H.Leberecht v. Guericke, Königlich Preußischer Geheimb.-u.Regierungsrat im Herzogtum Magdeburg

Und Catharina Elisabeth geb. v.Schierstedt als sie 1717 das Gut Dernitz inne bekommen, u. 100 Jahre zuvor 1617 ihrer Eltern Vater und Eltern Mutter Herr Wolf Friedrich v.Schierstedt und Frau Magdalene v. Rentorf nebst der Ober-Eltern Mutter Frau Adelgunden geb. Edle v. Plotho den Kelch in diese Kirche verehrt.

Quelle: Chronik von Dörnitz geschrieben Rudolf Wagner

 

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